Lieblingsstücke aus jüdischen Bibliotheken

Lieblingsstücke

Jede Bibliothek hat ihre Highlights, jede Bibliothekarin, jeder Bibliothekar Lieblingsstücke. Hier stellen Autorinnen und Autoren unseres Bibliotheksblogs ihre ganz persönlichen Favoriten aus dem eigenen Haus vor.

Wir empfehlen: Immer mal wieder auch in dieser Rubrik vorbeischauen – sie wächst zusammen  mit unserem Blog.

Ma’aseh Tuviah, Venedig 1707

Das Werk des Tobias
(Tobias Cohn, 1652-1729)

Jedes Buch in Ets Haim ist auf seine eigene Art schön. Ein Lieblingsbuch zu nennen, ist daher gar nicht so einfach.

Ein Werk, das ich sehr mag, trägt den Titel Ma’aseh Tuviah (das Werk des Tobias). Ganz besonders gefällt mir eine Darstellung des menschlichen Körpers als einem Haus mit mehreren Etagen. Im Mittelalter wurde der Körper oft als Teil des Universums abgebildet.

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Tobias Cohn aber war der Meinung, dass das Bild des Menschen als Haus viel einfacher zu verstehen sei. Solche architektonischen Abbildungen wurden früher benutzt, um komplexe Themen zu erklären, diese hier dient Medizinstudenten dazu, die Anordnung der Organe zu erlernen und sich einzuprägen.

Auf der linken Seite der Abbildung sieht man den Körper eines Menschen mit seinen wichtigsten Organen, rechts ein Haus mit fünf Etagen. Alle Organe sind mit einem hebräischen Buchstaben versehen, die mit verschiedenen Elementen auf den Etagen korrespondieren.

Im Altertum wurde das Herz oft als ein großer, dampfender Kessel abgebildet. Dahinter stand die Vorstellung, dass das Herz das Blut aufwärmt. Den Kessel sieht man in dieser Darstellung auch, in der Küche stehend repräsentiert er hier allerdings den Magen. In der vierten Etage befindet sich hinter einem vergitterten Fenster das Herz. Es ist „der Herr des Hauses“‘ und kann, so Cohn, an dieser Stelle frische Luft bekommen, ohne selbst gesehen zu werden.

Es ist faszinierend zu betrachten, wie man vor mehr als 300 Jahren den Menschen sah.

Heide Warncke

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George Salter

Typografie und Einbandgestaltung

Thomas Mann, Death in Venice,

New York: Knopf, 1965. 

Übersetzung von Der Tod in Venedig,

erstmals 1912 erschienen. 

Library of the Leo Baeck Institute New York | Berlin,

Signatur: st 4610 Salter v. 121.

Dieser markante minimalistische Bucheinband der englischen Übersetzung von Thomas Manns Der Tod in Venedig mit elegantem Schriftzug und blau-grünen Farbbändern greift das Grundthema der berühmten Novelle auf: die Sehnsucht nach Schönheit und ästhetischer Verfeinerung. Der Einband wurde 1965 von dem deutsch-amerikanisch-jüdischen Designer George Salter für den Alfred A. Knopf Verlag in New York gestaltet.

 

GEORGE SALTER (1897, Bremen, gebürtig Georg Salter – 1967, New York) wuchs in einer wohlsituierten deutsch-jüdischen Familie auf. In den späten 1920er Jahren begann er, sich auf kommerzielle Buchgestaltung zu konzentrieren und produzierte über 350 Bucheinbände und Schutzumschläge. Weltberühmt wurde sein Schutzumschlag für Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz. 1934 floh er aus Nazi-Deutschland in die USA.

Salters Entwürfe waren auch bei amerikanischen Verlegern sehr gefragt – er erhielt eine Flut von Designaufträgen. Seine Schutzumschläge und Buchdesigns sind bei Werkausgaben bekannter Autoren wie Albert Camus, John Dos Passos und Thomas Mann zu finden. Sie verbinden Buchinhalt mit Buchgestaltung. In den USA arbeitete Salter für 89 verschiedene Verlage und gestaltete mindestens 715 verschiedene Buchumschläge.

George Salters Werk zeigt eine breite Palette von Stilen und Medien. Seine Arbeit zeichnet sich durch exquisite Handwerkskunst und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Typografie und Bild aus. Salter wurde vor allem von den russischen Konstruktivisten, der Bauhaus-Schule und der Idee des Gesamtkunstwerks des deutschen Jugendstils beeinflusst. George Salters Arbeit ist der Maßstab, an dem zeitgenössisches Buchdesign bis heute gemessen wird.

 

Eine Auswahl von Salters Werken, die seine Designtheorie wiederspiegeln, ist in der  Online-Ausstellung: George Salter: A Legacy of Book Design zu sehen. Die dort vorgestellten Buchumschläge stammen aus der Library of Book Designs by George Salter,” in der über 300 Werke Salters zu finden sind. Diese Buchsammlung ist nur einer der Schätze, die man im Leo Baeck Institute New York | Berlin (LBI) entdecken kann.

Renate Evers

Waldbach im Schnee

Radierung von Emil Singer

Dieser zu Unrecht vergessener Künstler wurde 1881 in Gaya geboren (heute Kijov, in Tschechien) und 1942 nach Izbica deportiert. Er starb in Anonymität. Seine Werke schmücken heute viele Museen auf der ganzen Welt.

Ein Spender, der nicht genannt werden möchte, hat der Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich 2020 diese schöne Radierung geschenkt. Wir haben sie rahmen lassen und sie hängt nun im Eingangsbereich, so dass jede*r Besucher*in sie geniessen kann.

Kerstin A. Paul

Heinrich Böll im Arbeitszimmer

Heinrich Bölls Arbeitszimmer

Foto: © Elias Suppengrün

Titelseite des Jüdischen Kinderkalenders

Jüdischer Kinderkalender

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